Gemeinsam handeln - Netzwerk Suchthilfe
Alkohol auf der Arbeit. Suchtberater und Betriebsräte großer Firmen besuchen die Klinik Hohe Mark.
16 Betriebsräte und Suchtberater besuchen die Klinik Hohe Mark
Nicht von ungefähr hat sich am 27. Januar 2009 ein Gruppe von 16 Suchtberatern und Betriebsräten großer Firmen aus der Region und bundesweit zu einer Fortbildung in der Klinik Hohe Mark getroffen.
Immer häufiger, so schildern sie in Gesprächen mit Mitarbeitern der Klinik, werden sie mit Suchtproblemen auf der Arbeit konfrontiert.
Von daher war es das Anliegen der betrieblichen Suchthelfer, sich vor Ort über die angebotenen medizinisch-therapeutischen Hilfen und die entsprechenden Zugangswege sowie über eine mögliche Zusammenarbeit zu informieren.
Auf der Suchtstation
Nach einem Rundgang auf der Suchtstation in Haus Altkönig, stellten Viktor Maul und Ricarda Barsch, leitende Pflegkräfte im therapeutischen Team, das Behandlungskonzept vor. Auch ein Patient beteiligte sich an der Runde und bereicherte das Treffen mit der Sicht und Erfahrung eines Betroffenen. Er hatte seinen Job wegen Alkohol am Arbeitsplatz verloren.
Süchtiges Verhalten
Die Begegnung mit dem zuständigen Chefarzt Dr. Dietmar Seehuber war ganz allgemein der Frage gewidmet: "Wie entsteht süchtiges Verhalten?". Der Arzt stellte die aktuellen Erkenntnisse der Hirnforschung vor, die besonders eindrücklich zeigen, dass die Sucht ein nicht mehr vom Willen zu steuerndes Verhalten ist. Es entsteht der krankhafte Kreislauf der Sucht, so Dr. Seehuber:
"Spass, Lust, Glück, Macht, Erregung, Neugier werden durch eine Aktivierung des Belohnungssystems im Gehirn ausgelöst. Abhängig von der individuellen Ansprechbarkeit ist diese Reaktion so massiv, dass sie Entspannung und Flucht ermöglicht (Dopamin-Ausschüttung). Hinterher bleibt Leere, Verlusterleben, Unbefriedigtsein und Einsamsein, die zur erneuten Stimulation drängen.
Diese Sucht-Falle exzessiv belohnender Verhaltensweisen entsteht unabhängig davon, ob dies durch einen Sucht-Stoff oder durch Sucht-Verhalten (Internet, Glücksspiel, Pornografie u.a.) ausgelöst wird.
Hilfe ist möglich
Allerdings, so der Chefarzt, sind diese Zusammenhänge auch ein Schlüssel für eine erfolgreiche Therapie. Verhaltens- und psychotherapeutische Ansätze bieten den Betroffenen kognitive Möglichkeiten, das Problem ihrer Sucht offensiv zu bearbeiten.
Vernetzung
Zum Abschluss des Tages informierte der Sozialarbeiter André Beaupin über die vielfältigen Möglichkeiten und Aktivitäten des Sozialdienstes, Patienten in das ambulante Suchthilfesystem, u.a. dies der Stadt Frankfurt am Main, zu vermitteln. Die Palette reicht hier von Selbsthilfegruppen, über Beratungsstellen bis hin zu einer anschließenden Sucht-Rehabilitation.
Ausblick
Man wird in Kontakt bleiben, so der gemeinsame Wunsch. Gerade die Nutzung eines niederschwelligen Zugangs zur medizinischen Suchthilfe über die Institutsambulanz der Klinik Hohe Mark in Frankfurt, wäre für viele Betroffene eine Alternative zum stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus.
Auch die Planungen der Klinik Hohe Mark, in Frankfurt eine tagesklinische Sucht-Rehabilitation zu etablieren, stieß bei den Gästen auf großes Interesse.
Alkohol am Arbeitsplatz
Das am weitesten verbreitete Suchtmittel ist der Alkohol. Ein Teil der Arbeitnehmer trinkt täglich oder gelegentlich während der Arbeitszeit. Häufig führt ein mäßig begonnener Alkoholkonsum zum Alkoholmissbrauch, zum Alkoholismus und Alkoholismus ist eine Krankheit.
Nach bundesweiten Schätzungen sind mindestens 5 % aller Beschäftigten alkoholabhängig. Für einen Konzern mit z.B. mehr als 4.000 Beschäftigten bedeutet das: Ca. 200 Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter sind alkoholabhängig. Alle Berufs- und Statusgruppen sind gleichermaßen betroffen.
Alkohol ist ein Sicherheitsproblem für alle:
- 15 – 25 % der Arbeitsunfälle geschehen unter Alkoholeinfluss.
- die Betroffenen brauchen die 1,4-fache Zeit, um bei einer anderen Erkrankung wieder zu gesunden.
- Alkoholkranke sind 3,5mal häufiger in Arbeitsunfälle verwickelt.
- die Anzahl von alkoholbedingten Verkehrsunfällen steigt.
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