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Klinik Hohe Mark
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Suchtbehandlung aus Expertensicht

Oberärztin Dr. Dorothee Erbe sowie Gesundheits- und Krankenpfleger Rudolf Wenz, beide Klinik Hohe Mark, im Gespräch über die medizinischen Grundlagen der Suchtbehandlung und die Möglichkeiten der Hilfe in der Klinik (Forum Gesundheit 2010, geschrieben von Margit Schlesinger-Stoll).

Nicht der körperliche Entzug, sondern Eigenverantwortung und Kontrolle über sich selbst sind entscheidend.

 „Ich muss eben den ganzen Tag fit und kreativ sein.“ „Ich will eben abends mal abschalten.“ „So kann ich meinen Alltag ausblenden.“ Drei von vielen Antworten auf die Frage, warum Menschen zu Alkohol, Medikamenten und Drogen greifen.

Das Leben verlangt uns tagtäglich Stärke, Durchhaltevermögen, Flexibilität, Leistungs- und Kompromissbereitschaft ab, oft mehr, als manche ertragen können. Der Griff zur Flasche, Droge oder zu Tabletten scheint die Lösung und funktioniert oft eine Weile recht gut, bis Körper und Seele das extreme Wechselbad nicht mehr verkraften. Doch auch Neugierde oder sozialer Druck seitens Gleichaltriger können Anlass für den Einstieg in die Sucht sein. Wer lässt sich schon gerne einen Spielverderber nennen?!

Eine „stoffgebundene“ Suchterkrankung liegt vor, wenn man auf bestimmte Substanzen physisch und psychisch angewiesen ist. Die Spannbreite reicht von der einfachen Gewohnheit bis zur starken Abhängigkeit mit extremer gesundheitlicher und sozialer Gefährdung, zwischen Genuss und Sucht sind die Grenzen fließend.

Körperliche Anzeichen einer Sucht sind ab einem gewissen Stadium relativ leicht zu erkennen, seelische oder psychische Merkmale hingegen lassen sich weit schwieriger identifizieren. Oft treten bestimmte Wesenszüge eines Menschen in den Vordergrund und verändern ihn. Wenn solche Wesensveränderungen, Teilnahmslosigkeit, Rückzug aus dem früheren Freundeskreis oder starker Leistungsabfall erkennbar sind, sollten Angehörige oder Freunde reagieren und mit Betroffenen einen Arzt aufsuchen.

Behandlung und Rückfall

Oberstes Ziel einer Suchtbehandlung ist nicht die körperliche Entgiftung, wie viele meinen, sondern dass Patienten wieder eine außerhalb der Sucht liegende Perspektive für ihr Leben sehen und die Kontrolle über sich selbst zurückerlangen. „Viele Suchtkranke“, so Dr. Dorothee Erbe, Oberärztin an der Klinik Hohe Mark, „haben ein extrem niedriges Selbstwertgefühl, das wir versuchen, Schritt für Schritt wieder aufzurichten.“ Grenzen zu akzeptieren und zu lernen, eigene Grenzen zu ziehen, sei ein weiterer Schwerpunkt in den Gesprächen mit den Abhängigen. Der körperliche Entzug dauert nur wenige Tage und ist heutzutage dank medikamentöser Unterstützung mit weit weniger Schmerzen und Begleiterscheinungen verbunden als uns Spielfilme glauben machen.

„Doch körperlich entgiftet heißt nicht seelisch entgiftet“, erklärt Erbe. Die psychische Stabilisierung dauere mehrere Wochen, und auch danach sei es sinnvoll, sich Hilfe und Unterstützung in Selbsthilfegruppen zu suchen. Bekanntlich sind die Rückfallquoten trotz aller Hilfe hoch, doch auch hier gilt es, die angestammten Sichtweisen auf angeblich „willensschwache“ Suchtkranke zu überprüfen.

Während bei körperlich Kranken, gleichgültig ob es sich um Schuppenflechte oder Krebs handelt, alle Erfolge und Genesungsphasen zu Recht gefeiert werden, gelten die Rückschläge als unabänderlich und werden in Kauf genommen. Bei Suchtkranken hingegen sind es die Rückfälle, die immer wieder mit vorwurfsvollem Unterton hervorgehoben werden, nicht die „sauberen“ Phasen.

Rudolf Wenz, Krankenpfleger auf der Station Altkönig, die die Suchtfälle in der Klinik Hohe Mark behandelt, tritt hier ausdrücklich für mehr Verständnis ein: „Statt Vorwürfen brauchen Rückfallgefährdete Gesprächsbereitschaft anderer. Oft entscheidet die Unterstützung von Familie und Freunden darüber, ob jemand rückfällig wird oder nicht.“

Folgen von Sucht

Die Langzeitfolgen von stoffgebundenen Süchten sind vielfältig. Jahrelange Alkoholsucht schädigt neben Leber und Haut auch merklich das Gehirn, und viele Trinker erleben einen persönlichen sozialen Abstieg. Medikamentenabhän­gige leiden dagegen häufig an Gedächtnis und Konzentrationsstörungen und ihre Emotionen verflachen. Drogen wirken körperlich unterschiedlich: Kokain kann depressive Zustände, Amphetamine Psychosen auslösen, bei Opiaten ist das Risiko einer HIV- oder Hepatitis-Infektion durch verunreinigte Spritzen groß.

Die Abhängigkeit von Drogen ist aufgrund des Preises und der illegalen Beschaffungswege statistisch auch am meisten von Prostitution und Beschaffungskriminalität begleitet – der soziale Abstieg tritt bei ihnen oft schneller ein als bei Alkoholkranken.

Doch das Wissen um die Folgen der Süchte schreckt Abhängige nicht dauerhaft ab. Es zeigt sich, dass nur die Aussicht auf ein lebenswertes Leben dauerhaft genug Motivation liefert, sich der Sucht zu entziehen.  

Klinik Hohe Mark im Netzwerk  

Im Norden Oberursels ist die Klinik Hohe Mark ein Refugium für Suchtkranke. Hier gehört zur körperlichen Entgiftung von Anfang an die psychische Stabilisierung. Eine wertschätzende, wohlwollende Annäherung ist selbstverständlich, Scheiternde und Rückfällige  gelten nicht weniger als „erfolgreiche“ Patienten. Die eigene Verantwortung soll gestärkt, Fertigkeiten des Alltagslebens wieder erlernt werden. Auch geistliche Impulse und seelsorgerische Gespräche gehören, dem Selbstverständnis der Klinik Hohe Mark folgend, zum Angebot.

Neben verschiedenen Therapieformen wird auch eine sozialdienstliche Beratung hinsichtlich späterer Therapiemöglichkeiten, Selbsthilfegruppen, Wohnung, Arbeit usw. sowie Hilfen zur Tagesstrukturierung angeboten. Vor einigen Monaten wurde im Frankfurter Osten, wo viele Patienten der Klinik herkommen, eine Tages-Reha für ehemalige Suchtkranke eingerichtet. Denn „sich draußen ohne den vermeintlichen Helfer Sucht zurechtzufinden ist die eigentliche Herausforderung“, weiß Dr. Dorothee Erbe.

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1. Platz: Klinik Hohe Mark

 

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